Preis gekröntes Programm “ausBildung Zukunft ! Lernen in der Lebensmitte”
Gewinner des “Preises für Innovation in der Erwachsenenbildung 2009″ des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE) – Leibnitz Zentrum für Lebenslanges Lernen - eine der bedeutendsten Auszeichungen für Erwachsenenbildung im deutschsprachigen Raum (www.die-bonn.de).
Mit dem Preis für Innovation in der Erwachsenenbildung, der unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Annette Schavan steht, zeichnet das DIE besonders innovative Konzepte der Erwachsenenbildung aus, die gleichzeitig auch in der Praxis gelebt werden.

Preisverleihung am 30. November 2009 in Bonn (DIE) Sylvia Littke-Hennersdorf, Matthias Krick - Foto: FVKS
Aus 53 qualifizierten Einsendungen aus dem In- und Ausland kamen 12 Konzepte in die engere Wahl und wurden für den Preis nominiert. Für den FVKS nahmen die Projektkoordinatorin, Sylvia Littke-Hennersdorf und Vorstandsmitglied Dr. Matthias Krick die Ehrung am 30. November 2009 in Bonn entgegen.
In der Begründung der Jury für das FVKS-Programm “ausBildung Zukunft – Lernen in der Lebensmitte” heißt es u.a. “…es wird ein Projekt zur Integration von Langzeitarbeitslosen prämiert. Es schickt Erwachsene nicht auf die Schulbank, sondern lässt sie handeln und macht sie zu Gestaltern von Kultur in ihrer Region. Aus vielfältigen Bausteinen ergeben sich Lernimpulse; das Lernen in realen Zusammenhängen schafft Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern.”
Idee.
Das Programm “Lernen in der Lebensmitte” setzt die Empfehlungen des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rates zu Schlüsselkompetenzen für lebenslanges Lernen um. Ziel ist es, Menschen in der Lebensmitte, die nicht mehr durch obligatorische Bildungseinrichtungen geschult werden, diese Schlüsselkompetenzen zu vermitteln und Anwendungsmöglichkeiten in der (betrieblichen) Praxis zu schaffen.
Im Besonderen richtet sich das Programm an Langzeitarbeitslose, Personen mit Migrationshintergrund und Alleinerziehende (i.d.R. Quereinsteiger der Kulturarbeit) und möchte von der inhaltlichen Zielsetzung her die persönlichen Beschäftigungsperspektiven über Kulturarbeit und Bildung für die Mitwirkenden nachhaltig verbessern. Dabei machen wir uns zunutze, dass Kultur als gesellschaftliche Querschnittfunktion insbesondere auch die Bereiche Wirtschaft und Bildung stark berührt.
Inhalte.
Im Vordergrund stehen dabei die Arbeit in Teams und das Erlernen von Prozessdenken (arbeitsteilige Abläufe). Kombiniert wird informales und nicht-formales Lernen im Praxiskontext. Übergeordnete Transferzielsetzung ist die Teilhabe an Kultur und Gesellschaft durch den Zugang zu kultureller Bildung für in diesem Sinne besonders benachteiligte Zielgruppen.
Wöchentlich rund 30 Stunden inklusive der Bildungsmodule bei wechselnden Arbeitszeiten sind die TeilnehmerInnen in Kulturveranstaltungen, Dokumentationen (online/offline) und im Netzwerk des FVKS (Unterstützung anderer Initiativen und Vereine) im Einsatz. Referenzprojekte werden in individuellen Referenenzordnern und Projektdokumentationen durch die TeilnehmerInnen festgeschrieben. Die Teilnahme an Wettbewerben – und damit die Übernahme der Projektleitung – wird gezielt gefördert.
Ergebnisse – Beschäftigungsfokus.
“Lernen in der Lebensmitte” leistet seit März 2006 einen kleinen Beitrag zur Transformation von Nichtteilhabenden an “Kultur und Gesellschaft” über deren Rolle als “Kulturvermittler” bis hin zu aktiven “Kulturmachern”.
Mit unserem Programm „Lernen in der Lebensmitte“ wird vor dem Hintergrund einer über 40-prozentigen Vermittlungsquote in den Arbeitsmarkt Folgendes deutlich: Die gerade in unserer Region häufig festzustellende Diskrepanz zwischen nicht (mehr) relevanten Berufsabschlüssen und Berufsbildern – einer damit verbundenen Dauergefährdung durch Arbeitslosigkeit – und andererseits den Entwicklungschancen durch Innovation und Qualifikation, muss durch Maßnahmen und Programme verringert werden, die quer zu herkömmlichen Aus-, Fort- und Weiterbildungsszenarien verlaufen.
Der Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec arbeitet in diesem Programm mit dem Dienstleistungszentrum für Arbeit Görlitz (ARGE) und zahlreichen, auch internationalen Partnern in der Region zusammen. Ideelle Unterstützung erhalten wir durch die Stadt, den Landkreis und unsere Abgeordneten in Land und Bund.
Modulare Bildung im Praxiskontext von Kulturarbeit.
TeilnehmerInnen an unserem Programm “Lernen in der Lebensmitte”, das Bestandteil unseres übergeordneten Ansatzes „ausBildung Zukunft“ ist, starten in der Regel über ein konkretes Projekt in den Lern- und Arbeitszyklus. Aufgrund der bei erfahreneren Erwachsenen unterschiedlichen Lern- und Adaptionsmethodiken zeigt sich, dass eine rein schulische Vermittlung von Fertigkeiten und Kompetenzen regelmäßig nur unterdurchschnittliche Erfolge erzielt (hat).
Modellcharakter.
“Lernen in der Lebensmitte” bildet die Situation eines Großteils der erwachsenen Bevölkerung (nicht nur) in unserem Land ab. Nach Abschluss einer ersten qualifizierenden Berufsausbildung, die häufig in Form des dualen Systems aus Theorie und Praxis erfolgte, steht im weiteren Verlauf Bildung häufig als isolierter Baustein neben dem Anwendungskontext.
Mit zunehmender zeitlicher Entfernung von der Berufsausbildung oder dem Studium steigt zwar das Erfahrungswissen durch „Action Learning“ (am Arbeitsplatz), gleichfalls lässt aber die strukturierte Erarbeitung von neuen Inhalten nach oder wird mühsamer. “Lernen in der Lebensmitte” setzt hier an und integriert Lernen und Arbeiten, zudem durch ein verändertes Rollenverhalten: Lernende werden in Gruppen zu Lehrenden am Arbeitsplatz.
Indem wir im Programm “Lernen in der Lebensmitte” Kultur- und Bildungsarbeit darüber hinaus nicht selten auch mit bürgerschaftlichem Engagement verbinden, stehen individuelle Zukunftsperspektiven im Gleichklang mir der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung durch unsere TeilnehmerInnen. Daher lässt sich „Lernen in der Lebensmitte” auch auf andere Anwendungsfelder und Regionen übertragen.
Hintergrund.
Lebenslanges Lernen ist in der Informationsgesellschaft zunehmend ein Erfordernis, das vor allem auf die Strukturierung und die Anwendung von Wissen zum richtigen Zeitpunkt zielt. Die schnellen Veränderungen im Wissensbestand machen es erforderlich, Werkzeuge bereit zu stellen, die Wissenserwerb und Wissensanwendung, zunehmend auch in Teams, anwendungsorientiert ermöglichen.
Gleichzeitig ist mit Erwachsenen “in der Lebensmitte” eine rein verschulte Fort- und Weiterbildung vergleichsweise ineffektiv, da die Lernmuster und die Rahmenbedingungen, wie beispielsweise Familie, Lebenssituation, Alter und soziale Einbindung sehr individuell ausgeprägt und in der Summe höchst unterschiedlich von Berufsanfängern sind.
+++
© Förderverein Kulturstadt Görlitz-Zgorzelec e.V. (FVKS)
Ansprechpartner für das Programm „Lernen in der Lebensmitte”:
Dr. Matthias Krick, FVKS-Vorstand, zukunft@goerlitz-zgorzelec.org
